5. Bayerische Ernährungstage 2017 im Landkreis Donau-Ries
Wo kommt mein Essen her? - Spaziergang in Laub gibt Aufschluss

"Gehe zurück auf Los." Im Wertschöpfungsmonopoly, an dessen Anfang die bäuerliche Urproduktion steht, mischen verschiedene Player mit, die das Produkt mit jedem Schritt wertvoller machen und verteuern. Im Rahmen der "Bayerischen Ernährungstage" konnte die Öffentlichkeit auf einer Veranstaltung des AELF Nördlingen bei einem Spaziergang in Laub die Wertschöpfungs- und Verarbeitungskette vom Getreidefeld über die Getreidemühle bis zur Verkostung von Bäckerbrot nachvollziehen.

Der Getreideanbauer als erstes Glied der Kette verdient am wenigsten an seinem Produkt, obwohl er die Grundlage für die Profite aller folgenden Kettenglieder erzeugt. "Wir leben fast wie im Schlaraffenland - im Discounter suchen wir unser Brot aus, drücken auf einen Knopf, die Maschine rattert und spuckt das gewünschte Produkt aus", sagte Brigitte Steinle, Leiterin der Abteilung Bildung und Beratung am AELF Nördlingen. "Aber keine Maschine kann Brot wachsen lassen, das sollte uns allen bewusst sein." Damit der Verbraucher hochwertige Lebensmittel auf den Tisch bekommt, sind viele kleine Schritte und ein fundiertes Fachwissen notwendig. Bereits zum fünften Mal organisierte das Amt in Nördlingen die "Bayerischen Ernährungstage" im Auftrag des bayerischen Landwirtschaftsministeriums, heuer unter dem Motto "Wo kommt mein Essen her".
20 Teilnehmer gewinnen Einblick in den modernen Getreideanbau
Auf einem Spaziergang entlang der Felder rund um die "Obere Mühle" der Familie Erich und Tanja Göggerle in Laub konnten rund 20 Veranstaltungsteilnehmer einen Einblick in den modernen Getreideanbau gewinnen. An einem seiner Weizenäcker erklärte Landwirt Harald Handschiegl, welche Maßnahmen er seit der Körneraussaat im Oktober durchgeführt hat. Seit kurzem versucht sich der Lauber BBV-Ortsobmann auf einem seiner beiden Betriebe im ökologischen Landbau. Auf 30 Hektar baut er Dinkel und Luzerne an und produziert Heu für Bio-Milchviehbetriebe und "das funktioniert gut".
Getreide als Grundrohstoff für viele Lebensmittel
"Die Kornkammer Ries wird heute schnell mit Biogas in Verbindung gebracht", stellte der Leiter des AELF Nördlingen, Manfred Faber, fest. Mit einem Anteil an der Ackerfläche von 26 Prozent könne aber von einer "Vermaisung" des Rieses keine Rede sein, zumal "das Getreide mit einem Flächenanteil von mehr als 40 Prozent nach wie vor deutlich die Nase vorn hat", sagte Faber. Die wichtigste Getreidesorte für die Bäcker ist der Winterweizen. Seine Anbaufläche beläuft sich im Donau-Ries-Kreis auf mehr als 50 Prozent.
Eine Mühle ist etwas ganz Besonderes, weil sie den Grundrohstoff für viele Lebensmittel liefert, so der Geschäftsführer des Bayerischen Müllerbunds Dr. Josef Rampl zu Beginn der Mühlenführung. Zudem sei eine Mühle in der Region ein Segen für die Landwirte, da sie von ihr höhere Preise für das Getreide erhalten. "Weil die Mühlenbetreiber darauf schauen, dass sie so viel Getreide wie möglich aus der Umgebung bekommen, sind sie ein wichtiges Glied in der Wertschöpfungskette – von der Region, für die Region."
Von der Mühle in die Bäckerei
"Damit wir gutes Mehl produzieren können, benötigen wir ausgezeichnete Qualitäten", betonte Carolina Göggerle, die erst 22 Jahre alte Müllermeisterin beim Rundgang durch die Mühle. Noch bevor der Landwirt sein Getreide auf dem Betrieb abkippen darf, werde es kontrolliert. "Erfüllt die Ware nicht unsere Ansprüche, muss der Lieferant weiterfahren." Bei Getreide mit einer hohen Güte erfolgen Vorreinigungen, danach würden A- und E-Weizen, Roggen und Dinkel zu sortenreinem Mehl verarbeitet. "Damit wir bei eventuellen Störungen schnell vor Ort sind, mahlen wir nachts, denn tagsüber sind wir alle oft unterwegs." Acht bis zehn Tonnen Getreide sei die Tagesleistung der Oberen Mühle. Vermarktet wird das Mehl über den Hofladen, die Gastronomie und Bäckereien in der Region.
Im Anschluss an die Mühlen-Führung erläuterten Bäckermeister Josef Weißgerber und seine Tochter Ursula Weißgerber-Gräf den Teilnehmern, welche Verarbeitungsschritte und Geräte für die Zubereitung von Brot notwendig sind und welche Zutaten in den Brotteig kommen. Die Bäckerei Weißgerber in Wemding verarbeitet das Mehl der Göggerle-Mühle. Außerdem gaben Vater und Tochter Tipps, wie Brot lange frisch und köstlich bleibt, welche Unterschiede es zwischen den verschiedenen Brotsorten gibt und was letztlich eine gute Qualität ausmacht. Zum gemütlichen Ausklang konnten die Besucher verschiedene Brotsorten aus der Bäckerei Weißgerber verkosten.
Textauszüge und Foto: Patrizia Schallert, Pressebüro Agrar & Forst, Leipheim
Informieren Sie sich aus erster Hand!
Bei Veranstaltungen wie zum Beispiel "Tag der offenen Türen", Hoffesten, Mühlenfesten, "Deutschen Mühlentagen" können sich Verbraucherinnen und Verbraucher vor Ort umfassend über die Arbeit von landwirtschaftlichen Betrieben und Mühlen informieren. Die aktuellen Termine entnehmen Sie bitte den örtlichen Tages- und Anzeigenzeitungen!
Die "Obere Mühle Laub" ist eine von mehreren Mühlen im Landkreis Donau-Ries, die auf Anfrage Mühlenführungen für Gruppen anbietet.

Ansprechpartnerinnen "Ernährungstage 2017"

Brigitte Steinle
AELF Nördlingen
Oskar-Mayer-Straße 51
86720 Nördlingen
Telefon: 09081 2106-40
Fax: 09081 2106-55
E-Mail: poststelle@aelf-nd.bayern.de

Weitere Spaziergänge der besonderen Art erleben:

Logo Bayerische Ernährungstage mit Schriftzug "Richtig gut Essen"
Bayerische Ernährungstage - eine bayernweite Aktion
Vom 23. Juni bis 9. Juli fanden in ganz Bayern Aktionen rund um das Thema "Wo kommt mein Essen her?" statt. Die 47 Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (ÄELF) einschließlich der acht Fachzentren Ernährung/Gemeinschaftsverpflegung beschäftigten sich in allen sieben Regierungsbezirken mit der Herkunft des Essens und vermittelten auf ihren Spaziergängen spannende Informationen und neue Impulse. Auch darüber hinaus boten die Bayerischen Ernährungstage einiges.