Schulung artenreiches Grünland
Ergebnisorientierte Grünlandnutzung

Teilnehmer der Schulung

Seit 2015 wird in Bayern im Rahmen des KULAP B40 die ergebnisorientierte Grünlandnutzung honoriert. Im Unterschied zu anderen Programmen werden keine Maßnahmen wie Düngeverzicht oder Schnitttermine vorgegeben, sondern das Ergebnis ‚artenreiches Grünland‘ wird gefördert. Auf der Fläche müssen bestimmte Kennarten nachgewiesen werden, um die Förderung zu erhalten.

Vorteil ist, dass der Landwirt selbstständig ohne einschränkende Maßnahmen oder starre Termine eine für den Schlag angepasste Bewirtschaftung durchführen kann. Es liegt allerdings auch in der Verantwortung des Landwirtes, dass das Ergebnis in Form des Artenreichtums erreicht und erhalten wird.
Der Bewirtschafter muss die Kennarten auf dem Schlag daher treffsicher bestimmen und erfassen können. Ziel des Vormittag-Termins am 21.07.2020 war es, die Antragsteller in dieser Aufgabe zu schulen und zu unterstützen.
Erfassung auf dem Schlag
Zunächst wurde die Vorgehensweise zur Erfassung der Kennarten besprochen. Da die Randbereiche häufig nicht die typische Pflanzenzusammensetzung eines Schlags wiedergeben, sollen die ersten fünf Meter ausgespart werden. Der Feldrand ist häufig artenreicher, somit könnte der Artenreichtum eines Schlags leicht überschätzt werden. Die Erfassung der Kennarten erfolgt dann entlang der längstmöglichen Geraden durch einen Schlag. Die Erfassungslinie wird in zwei gleich lange Abschnitte unterteilt und die Kennarten für beide Abschnitte getrennt erfasst.
Beim Durchqueren der Fläche werden alle Kennarten, die in einem etwa 2m breiten Streifen entlang der Geraden vorkommen (etwa Spannweite der Arme), erfasst. Hier gilt das Vorsichtsprinzip. Kommen von einer Art nur vereinzelte Exemplare an einer Stelle der Wiese vor, sollte diese nicht in die Bewertung mit einfließen. Das Risiko, dass die Art nicht wiedergefunden wird, wäre sonst zu hoch.
Ansprechen der Kennarten
Anhand einiger Beispiele wurde der Aufbau der Bestimmungshilfe, die LfL-Information "Artenreiches Grünland-Ergebnisorientierte Grünlandnutzung", erläutert. Dort werden alle Kennarten in kurzen Porträts mit Fotos vorgestellt. Die Arten sind nach der Blütenfarbe sortiert. Am Rand der Seite hilft ein farbiger Streifen schnell Pflanzen in der gesuchten Blütenfarbe zu finden. Zu jeder Art/Artengruppe gibt es ein oder mehrere Fotos. Daneben sind stichpunktartig die wichtigsten Merkmale der Art zur Unterscheidung von anderen ähnlichen Arten aufgeführt. Die Merkmale beziehen sich auf die Blüte, den Stängel und die Blätter der Pflanzen.
Einige Teilnehmer hatten zusätzlich zur LfL-Information weitere Bestimmungshilfen (z. B. Was blüht denn da?) mitgebracht oder nutzten eine Bestimmungs-App. Auf einer Wiese, die im Jahr 2020 bis dahin noch nicht gemäht wurde und vor allem entlang der Schlag- und Wegränder wurden die Teilnehmer schnell fündig. Gut zu erkennen an seinen dunkelroten Blüten und den unpaarig gefiederten Laubblättern war beispielsweise der große Wiesenknopf (siehe Foto) oder die Vogelwicke. Aber auch Nicht-Kennarten wie Wiesenlabkraut und Wilde Karde konnten von der Gruppe treffsicher bestimmt werden.
Zeitpunkt der Erfassung
Am einfachsten sind die Pflanzenarten zur Blütezeit zu identifizieren. Je nach Witterung und Höhenlage ist der Zeitraum von Anfang Mai bis Mitte Juni vor dem ersten Schnitt besonders günstig, um viele Arten blühend anzutreffen. Corona-bedingt musste unser Schulungstermin nach hinten verschoben werden und fand außerhalb des optimalen Zeitfensters statt. Einige Kennarten wie Wiesensalbei und Margerite waren so bereits verblüht oder in den letzten Zügen, z. B. die Kuckuckslichtnelke. Andererseits standen dafür etwas spätere Arten in voller Blüte, zum Beispiel die Wilde Möhre.
Fazit der Teilnehmer
Für die meisten Antragsteller stellt es kein Problem dar sechs, acht oder mehr Kennarten auf ihren Flächen nachzuweisen. Beschränkt man die Erfassung der Kennarten jedoch auf die zwei Meter breite Erfassungslinie, fallen oft ein bis zwei Arten weg. Häufig sind dies Arten, die "nesterweise" z. B. auf feuchteren Stellen vorkommen oder vom Feldrand her einwandern. Das bloße Vorkommen einer Kennart reicht nicht immer aus, um die förderrechtlichen Vorgaben des B40-Programms zu erfüllen. Wichtig ist ein ausreichend häufiges und verteiltes Vorkommen, das über den Verpflichtungszeitraum von fünf Jahren Bestand hat.
Die Teilnehmer waren sich einig, dass für Flächen, die die Vorgaben nur sehr knapp erfüllen (z. B. vier Arten mit nur wenigen Exemplaren) kein KULAP B40 beantragt werden solle. Für solche Fälle gäbe es auch alternative Förderprogramme z. B. im Rahmen des Vertragsnaturschutzprogramms (VNP).
Die Schulung wurde nicht zuletzt aufgrund dieser Sensibilisierung für sehr sinnvoll erachtet. Auch für nächstes Jahr ist wieder ein Termin eingeplant, der dann bereits im späten Frühjahr stattfinden soll.